Postkarten wollen nicht an Wänden hängen.

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Es war ein spannender Wettlauf gegen die Zeit. Am Donnerstag 18.08. um 19 Uhr war zur Vernissage der Retrospektive „eine fidele Fuhre“ geladen.
Nur 4 Tage Zeit hatten Kurator Christian Poitsch und die fleißigen Hände des Kunstverein Bad Aibling um die Ausstellung in zwei Galerien aufzubauen.
Das hört sich vielleicht ert mal gar nicht so ‚knapp‘ an. Aber die Ausstellung bietet viel mehr als ’nur‘ Bilder an den Wänden. Währende in der Villa Maira, einer wunderschönen klassizistischen Villa,  vor allem Original Gemälde gezeigt werden,  wirdin der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus das Thema Grafik und ‚lustige Blätter‘ ordentlich in Szene gesetzt. wenn-verobereitungEine Raum im Raum Installation – ein Simplicissimus – Kabinett – weckt die Neugierde der Besucher. Außerdem ist die wohl größte Postkartensammlung – von Jugendstilkarten bis hin zu den Werbekarten renommierter Firmen – auf eigens aufgebauten, farbigen Wänden in Szene gesetzt. Und genau hier tauchten völlig unerwartete Problem auf. Denn ‚Dispersionsfarbe und Klebe-Klettband gehen keine gute Freundschaft ein“ – so Christian Poitsch.

_MG_6224 (Kopie)200 Postkarten, die in einem ausgetüfteltem Konzept am Mittwoch Abend noch die Wände zierten lagen am Donnerstag Früh alle wieder am Boden. Da Begann der Wettlauf gegen die Zeit. Alle verfügbaren Hände waren nun gefragt! Und es gelang! Pünklich um 19 Uhr konnten die Besucher die (fast) fertige Ausstellung bewundern. Nur der ein oder andere Rahmen, der sich erneut während der Eröffnungsrede von der Wand löste, ließ das Drama der Stunden zuvor ahnen.
Am Freitag musste die komplette Hängung der Karten noch einmal auf anders System umgebaut werden – aber nun hängt alles sicher und fest und hält dem bereits am ersten Ausstellungstag einsetztenden Besucherandrang stand!

Die Postkarten sind nicht nur auf Grund der schwierigen Hängung ein zentrales Thema der Ausstellung in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus. Die Fülle an Wennerberg-Zeichnungen und Grafiken die als Postkarten abgedruckt wurden zeigt wie beliebt die Werke des Künstlers bereits zu Lebzeiten waren.

Die Motive erstrecken sich von wunderhübschen Postkarten im Jugendstil, Damen mit dem bekannten Wennerberg Lächeln, jungen selbstbewußten Mädchen, leicht frivole Motive aus der Zeit des Simplicissimus, Werbekarten bekannter Firmen wie z.B. Klepper oder 4711,  bis hin zu den sehr bekannten Kriegspostkarten zur Zeit des 1. Weltkrieges.

_MG_6268 (Kopie)Eigentlich wollte Christian Poitsch keine politische Ausstellung machen – aber im Zuge der Planung konnte er sich dem brissanten Thema dann doch nicht entziehen. Denn auch Wennerberg, der als gebürtiger Schwede mit seiner Doppelstaatsbürgerschaft 1914 als Deutscher nicht mehr in seine damalige Wahlheimat nach Paris zurückkehren konnte, war eine Art ‚Flüchtling‘ oder ‚Vertriebener‘.
Er wurde 1915 in Bad Aibling sesshaft. Und bis heute sprechen wir Aiblinger über Wennerberg als ‚einen von uns‘. Seine Spuren sind aus der oberbayerischen Kleinstadt nicht wegzudenken.
Und wer weiß – so schließt Christian Poitsch den Bogen – ob nicht auch heute aus Fremden Freunde werden, deren Spuren auch nach 150 Jahren leben.