Die grüne Klothilde

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In seiner Zeit in Bad Aibling hat Brynolf Wennerberg sich zunehmend mit der Malerei, fern der Gebrauchsgrafik, gewidmet. Es entstanden viele Bilder der Gegend und vor allem auch der Menschen der Region.

Viele der Gemälde aus dieser Zeit schmücken heute noch die Wände der Aiblinger und so mancher ist zu Recht stolz darauf ‚auch einen Wennerberg‘ zu haben.
In der Familie Müller werden vor allem Frauendarstellungen von Generation zu Generation weitergegeben. Und so schließt sich der Bogen zur Überschrift – zur ‚grünen Klothilde‘.
Klothilde Müller war eins von 12 Kindern die in der Metzgerei Müller groß wurden. Nach dem frühen Tod der Mutter war das Leben der Kinder, die von einer Tante großgezogen wurden, sicherlich nicht leicht. Die zweite Frau vom Metzger Müller musste schließlich, wie es damals üblich war, kräftig im Geschäft mit anpacken.
Irmi Höss, die Tochter von Klothilde Müller erzählte mir das Wenige, was sie von ihrer Mutter über das Leben als junge Frau in Bad Aibling erfahren hatte – denn die Mutter hat nie viel erzählt. Vielleicht auch eine Folge eines von zahlreichen Kindern zu sein, das eher „so mitlief“ als

in seiner Individualität gefördert zu werden.

klothildeKlothilde war eins der Modelle, die gerne und häufig von Brynolf Wennerberg gemalt wurden. Das lag wohl daran, dass sich bei ihr – im Gegensatz zu vielen anderen Modellen- der Gesichtsausdruck auch nach stundenlangem stillsitzen nicht veränderte. Das schätzte der Künstler an der jungen attraktiven Frau. Die Familie Müller war und ist auch heute noch optisch eindeutig zuzuordnen obwohl es zwei sehr konträre Typen gibt. Hell und blauäugig wie der Vater und goldener Teint mit dunklen Augen wie die Mutter. Klothilde folgt optisch ihrer Mutter und so ist auch die Darstellung als Flamenco Tänzerin nicht verwunderlich.

Als Dankeschön für ihr Modellsitzen durfte sich Klothilde auch einmal eins der Bilder von Wennerberg aussuchen. Er öffnete eine Schublade und sie durfte frei wählen. Den Zentaur – ein eher ungewöhnliches Motiv für Wennerberg – bewahrte sie wie einen Schatz auf den ihre Tochter heute noch ebenso hütet.

Die Zeit im Atelier muss für Klothilde etwas ganz Besonders gewesen sein. Denn wenn sie davon erzählte konnte die Tochter immer diese eigenartige Intensität spüren und die Augen der Mutter leuchteten. Irmi Höss vermutet dass die Zeit im Atelier, die Atmosphäre dort, das Umgeben sein von Kunst und die Beschäftigung mit geistigen Themen für ihre Mutter eine willkommene Abwechslung vom Alltag als Bankangestellte und Metzgerstochter war, in dem es immer in erster Linie ‚ums Geld‘ ging.

Nach der Hochzeit musste Klothilde ihren Beruf aufgeben und sie zog mit Ihrem Mann aus Bad Aibling nach Pirmasens. Durch die Evakuierung im zweiten Weltkrieg kamen Mutter und Tochter wieder zurück in ihre Heimatstadt.
Klothilde saß selbstverständlich nach ihrer Hochzeit nicht mehr Model, allerdings blieb sie wohl weiterhin in losem Kontakt mit Wennerberg. Das beweist eine Dankeskarte die Wennerberg anlässlich der Glückwünsche zu seinem 75. Geburtstag an Klothilde schickte.
Eine eindrückliche Erinnerung die Irmi Höss an ihre Mutter hegt ist der Stolz den die Mutter als Wennerberg Model empfunden hat, und stolz war auch die Tochter bereits als Kind. Denn wer hat schon einen Mutter die auf einem Gemälde dargestellt ist, das so vielen Leuten so gut gefällt.
Heute hängt die Flamenco Tänzerin in meinem Wohnzimmer und so hat die grüne Klothilde weiterhin ihren Platz in der Müller Familie. Warum „grüne Klothilde“ obwohl das Bild doch in Brauntönen gemalt ist?
Als kleines Kind konnte ich Klothilde noch kennenlernen. Da es aber mehrere Tanten mit dem dem Namen Klothilde gab unterschieden wir Kinder sie an Hand der Farbe der Kleidung. Die grüne Klothilde lebt in meiner Erinnerung mit einem grünen Kostüm.
Und tatsächlich scheint aber grün einer der bevorzugten Farben von Klothilde Müller gewesen zu sein, bestätigt mir ihre Tochter Irmi.